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BeitragVerfasst: 12. Jul 2012, 20:06 
Hallo zusammen! Ich befinde mich bereits seit 11/11 im Status Arbeitsunfähig. Nach meiner Reha in 04/12 wurde ich Berufsunfähig entlassen. Da mein Arbeitgeber der ÖD ist, wurde ich aufgefordert zum Betriebsarzt zu gehen um dort feststellen zu können welche Tätigkeit ich noch machen kann. Im Reha Entlassungsbericht steht drin, dass Schichtarbeit möglich ist. Dieses sieht meine Therapeutin ganz anders. Ich soll jetzt als Hausmeister im Wechseldienst mit Anwesenheitsbereitschaften bis 22:00Uhr an täglich wechselnden Schulen mit täglich wechselnden Zeiten Arbeiten. Mir wurde aber gleichzeitig im Reha Bericht bescheinigt, dass eine fehlende Flexibilität, Ausdauer und das vermeiden "Öffentlicher Rollen" gegeben ist. Wogegen ich mich aber sträube ist, dass ich nach 30 Jahren Schichtdienst mit den daraus resultierenden erheblichen Schlafstörungen wieder Schicht machen soll bzw. Nach Aussage der Klinik auch kann. Da ich inzwischen wieder massive Schlafstörungen und körperliche Symptomatik habe nur in dem Wissen diese Stelle antreten zu müssen, suche ich hier Leute, mit ähnlichen Erfahrungen. Macht es Sinn gegen den Entlassungsbericht Beschwerde einzulegen? Wer kann meinem Arbeitgeber ein klar formuliertes "Attest" schreiben, in dem angegeben ist, dass ich aus Gesundheitlichen Gründen diese Stelle nicht besetzen kann. Alleine der Gedanke an ca. 2500 Schülern macht mich verrückt! Ich soll Mitte August dort anfangen, weil man mir indirekt mit Krankheitsbedingter Kündigung gedroht hat.
Für Tips wäre ich sehr dankbar.


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BeitragVerfasst: 13. Jul 2012, 00:04 
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Registriert: 10. Nov 2011, 14:44
Beiträge: 145
Hallo,
bist du ö.D. Land oder Bund?
In welchem Bula wohnst du? (könnte dir dann evtl. Ansprechpartner nennen).
Da gibt es teilweise gravierende Unterschiede im Beamten"recht", welches teilweise ja analog auf Angestellte angewendet wird.

Hast du mal mit deinem Betriebsrat gesprochen?
Die haben ja in Personalentscheidungen ein nicht unwichtiges Wort mitzureden.

Hast du es schriftlich, dass du die Stelle antreten sollst?
Musst du ja eigentlich, da es sich ja um eine Umsetzung handelt, wenn ich dich richtig verstanden habe.
Dann ist es ein Verwaltungsakt, gegen den du Widerspruch einlegen kannst.
Diesen musst du natürlich begründen.
Sprich mit deiner Therapeutin, ob sie einen Bericht schreiben kann, in dem sie ihre Einschätzung deiner momentanen Verfassung und den für dich aus der Umsetzung resultierenden Folgen (Verschlechterung deines "Zustandes", erneute AU etc.) darlegt.
Sprich noch mal mit der Reha-Klinik und weise auf den Widerspruch in ihrem Bericht hin.
Schichtdienst ja, aber fehlende Flexibilität ist gegeben....paßt ja nicht so ganz zusammen.
Zumindest wenn du täglich Örtlichkeit und Arbeitsbeginn wechseln musst, richtet sich dein Arbeitgeber m.M.n. nicht nach dem Entlassungsbericht der Klinik.

Und suche dir einen Arzt, der als Gutachter zugelassen ist.
Sprich mit ihm, laß dich von ihm durchchecken.
Dann hast du schon mal eine 2. Meinung in der Hinterhand.
Muss dein Arbeitgeber ja zunächst nichts von erfahren.
Gehe zu deinem Hausarzt und lasse dir etwas gegen deine Schlafstörungen geben.
Dann sind auch diese dokumentiert.

Weiterhin würde ich schon einmal mit einem RA für Arbeitsrecht sprechen.
Eine Beratung kostet nicht so arg viel.
Oder bist du zufällig in der Gewerkschaft?
Über die ist man doch oft auch rechtschutzversichert und jede Gewerkschaft hat doch eigentlich ihre Anwälte, an die sie einen dann vermittelt.

Welche Folgen hätte die Entlassung für dich?
Wollen sie dich entlassen oder berenten bzw. pensionieren?
Ist deine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt?
Hast du eine Minderung der Erwerbsfähigkeit? (alleine, wenn du als Diagnose z.B. Depr. hast, können durchaus 30% MdE anerkannt werden).
Evtl. hast du dadurch einen anderen Kündigungsschutz oder darfst evtl. auf Grund der Diagnose (Schlafstörungen etc.) keinen Schichtdienst mehr machen.
Sprich mit dem Schwerbehindertenvertreter.
Die kennen sich eigentlich gut aus und sind ja für alle "Kranken" da.

Fragen über Fragen ;-)

Spiele für dich durch, wie es für dich weitergehen würde/könnte, wenn sie dich entlassen sollten.
Dann bist du ein Stück weit vorbereitet.
Bei mir kam es für mich unverhofft (für alle anderen komischerweise nicht) und ich bin ziemlich abgestürzt..

Ich hoffe, es ist nicht zu wirr, was ich geschrieben habe.
Mein Kopf ist schon im "müde-Modus", nur der Schlaf ist auf Grund vieler Jahre Schichtdienst noch aus dem Takt :-(

Bitte prüfe die Tipps ggf sorgfältig, da ich sie zwar nach bestem Wissen und Gewissen schreibe, aber gerade in Rechtsfragen ändert sich ja schneller etwas, als man hier im Forum einen Beitrag geschrieben hat ;-)

Mitternachsgrüße
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wenn der hohe Gipfel vor Dir unerreichbar scheint,
und selbst das Licht der Hoffnung schwindet.
(irischer Segenswunsch)


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BeitragVerfasst: 13. Jul 2012, 08:58 
Hallo, vielen dank für deine Informationsflut!
Also fange ich mal der Reihe nach an. Arbeitgeber ist ein Kommunaler ÖD (Kreisverwaltung)
Bislang habe ich nicht schriftliches bekommen, der Personalrat hat mich mehr oder weniger auf diese Stelle gedrängt, mit dem Hinweis dass ich ja noch gar nichts von mir aus versucht hätte. Ich empfinde den Personalrat als äusserst Arbeitgeber freundlich. Meine Therapeutin redet nur und macht aber in meinen Augen nichts gescheites. Sie darf, kann oder will keine Medikamente verschreiben, weshalb ich jetzt Anfang Sept. einen Termin mal endlich bei einem Psychiater bekommen habe. Nächste Woche muss ich zu meinem Verwaltungschef zu einem Gespräch und mache mich deswegen schon wieder verrückt. Bin Angestellter, nicht Beamtet und mit mitte 40 zu jung zur Berentung. Ich habe bereits gegen den Entlassungsbericht der Reha Klinik Widerspruch bei der Klinik und der RV eingelegt. Als Diagnose wurde eine mittelgradige Depressive Phase festgehalten. Im Bericht steht aber auch Posttraumatische Belastungsstörung aber ohne Nennung im Diagnoseschlüssel. Das als Berufskrankheit durchzuboxen ist fast unmöglich, da nach 30 Jahren Rettungsdienst ebensoviel private Ereignisse einen aus der Bahn werfen können. Meine Therapeutin meint zwar, dass Sie mich weiterhin krank schreiben kann, aber das ist doch nicht mein Ziel. Ich möchte ja Arbeiten, aber irgendwie versteht mein AG nicht, dass nicht alles geht.
Also.... Kopf hoch, auch wenn der Hals schmutzig ist.


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BeitragVerfasst: 13. Jul 2012, 17:26 
Nachtrag von Gestern: Wohne in NRW.


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BeitragVerfasst: 13. Jul 2012, 18:50 
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Registriert: 10. Nov 2011, 14:44
Beiträge: 145
Ein Retti... :-D :5umarm

Also, wenn deine Therapeutin keine zugelassene Ärztin ist, darf sie dir keine Medis verschreiben.
Wenn du mit ihr nicht zufrieden bist, suche dir eine/n neue/n.
Dafür sind die Stunden zu wertvoll,als das man sie mit einer Therapeutin verbringen sollte, bei der man sich nicht gut aufgehoben fühlt.
HH liegt nicht zufällig in deinem "bis dahin würde ich für eine gute Therapeutin fahren" Radius?
Da könnte ich dir nämlich jemanden empfehlen ;-)
Oder gibt es auf deiner Ecke ein KIT?
Evtl.haben die ja ein paar gute Adressen.

Wenn deine PTBS durch den RD entstanden ist, würde ich auf jeden Fall zum RA und prüfen lassen,
ob diese nicht als "Wie Berufskrankheit" anzusehen ist.
http://www.sozialrechtler.de/index.php?id=89
Ist nur eine kleine Hoffnung, aber bekanntlich stirbt diese ja zuletzt....

Und zu den Personalgesprächen würde ich an deiner Stelle jemanden mitnehmen, das Recht hast du nämlich !
In der Regel ist es jemand vom Pers.rat, aber der scheint ja eher gegen dich zu arbeiten.
Mach in den Gesprächen deutlich, dass du ja arbeiten willst, nur unter den vom Arbeitgeber angedachten Bedingungen dazu nicht in der Lage bist.
Überlege dir Alternativen, die du vorschlagen kannst, evtl. besteht ja die Möglichkeit im Bereich QM oder Hygienebeauftragter oder Geräteeinweiser gem. MPG etwas zu machen.

Ich drücke dir die Daumen !

freudige Grüße auf einen Retti gestoßen zu sein
broken

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BeitragVerfasst: 15. Jul 2012, 12:48 
Hi, schön dass hier ein Mensch ist, der meine Problematik aus dem RD teilen kann.
Leider wussten die in der Reha Klinik nicht was ein Rettungsdienstler macht. Nachdem ich denen das erklärt hatte, war deren Meinung sofort klar. Raus aus dem Rettungsdienst!
Bis HH ist es doch etwas weit, wohne nähe Köln.
Bezüglich weiterer Verwendung in meiner Abt. Ist man meiner Ansicht nach nicht gewillt mich dort zu beschäftigen. Aussage des AL : Wer an PTBS leidet, soll komplett aus dem Entsprechenden Umfeld raus. Quali bringe ich eigentlich mit, Sicherheitsbeauftragter, MPG Beauftragter. Da diese Stellen aber bei uns "nebenher" in den Dienstzeiten erledigt werden, gibt es dort auch keine Stellen. Versuch ist Sinnlos! Ich habe mich innerlich von der Abt. verabschidet und warte auf meinen Termin beim FA für Psychiatrie, der mich wahrscheinlich direkt wieder Zuhause lässt. Ich werde auf jeden Fall einen Arbeitsrechtler aufsuchen und versuchen das ganze für mich Gesundheits und Sozialverträglich zu ordnen. Mit dem suchen nach einer/einem neuen Therapeutin habe ich bereits begonnen, aber aufgrund der ewigen Wartezeiten nicht gerade tolle aussichten.
Harren wir der Dinge, die da kommen mögen.
PS: meine Therapeutin spricht von Frühberentung als alternative. Nach fast 30 Dienstjahren im RD werde ich jetzt auch prüfen lassen, ob das ganze als "wie Berufskrankheit" anerkannt werden kann.

Grüße in den Norden.


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BeitragVerfasst: 15. Jul 2012, 22:20 
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Registriert: 10. Nov 2011, 14:44
Beiträge: 145
Du kannst gerne schreiben, was dir auf der Seele liegt, RD begleitet mich mein Leben lang.
Vater war Feuerpatsche in HH und mein Göttergatte ist Retti wie du :-D
Und er hat annähernd so viele Jahre auf dem Buckel wie du ;-)
Mein Freundeskreis besteht fast nur aus Feuerpatschen und Rettis oder Leuten wie mir, die ehrenamtlich bei einer HiOg ausbilden.
Du siehst, ich kann nicht ohne Rettis in meinem Leben ;-)

Ganz aus dem RD raus ist ja leicht gesagt, aber dann müssen die Sesselpuper dir doch auch eine Stelle suche, die deinen gesundheitlichen Bedürfnissen entspricht.
Dazu ist der Arbeitgeber verpflichtet!

Würdest du bei einer Frühberentung viel verlieren oder wäre es machbar?
Du dürftest ja 400€/monatl. dazuverdienen.
Falls die Frage zu indiskret ist einfach ignorieren :mrgreen:

Frage doch mal in Köln beim BV ASB nach bzgl. Therapeuten bzw. Ansprechpartner.
Die bilden KIT aus und evtl. haben die ja eine Liste mit Therap., an die sie Leute aus dem RD mit akuten Problemen "vermitteln".
Oder evtl. der Notfallseelsorger von der BF oder ein Pastor/ Pfarrer den du kennst.
Musst ja nicht mit ihm reden, falls dir das "kirchliche" nicht so liegt, aber manchmal haben die ja kürzere Wege zu Therapeuten.

Laß dich nicht unterkriegen kölsche Jung :5umarm

broken

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