Lebenslauf eines heute trockenen Alkoholikers.
Mein Name ist Wolfgang,
heute bin 62 Jahre alt und von Beruf Trödler (An +Verkauf).
Geboren bin ich am 9.3.1947 in K.
*Mein Vater war
* im Getränke -Großhandel.
Mutter war bei der Post
* angestellt.
Mit 5 Jahren kam ich in die Volksschule die ich bis zum 8 Schuljahr absolvierte
(es gab damals nur 8 Volksschuljahre) und mein Volksschulabschluss machte.
Mit 13 Jahren fing ich auf Wunsch meines Vaters eine Lehre als Maschinenschlosser an.
Ich selbst hätte lieber was anderes gelernt, Autoschlosser zum Beispiel (aber da hat man ja immer schwarze Finger meinte mein Vater!!! Als Maschinenschlosser wohl nicht ?)
Noch lieber wäre ich Technischer Zeichner geworden oder etwas im Büro, wäre schön gewesen. (Antwort vom Vater „ soweit kommt es noch das sein Sohn immer mit Schlips rumläuft“ !!! )
Mit 15 Jahren, nach 2 Jahren Lehrzeit, musste ich die Lehre abbrechen da meine Eltern von K.
* nach H.
* gezogen sind.
In H.
* habe ich dann bei einer Bank als Bankbote angefangen.
Die Schlosserlehre habe ich aufgegeben, da sie mir keinen Spaß machte und sie für mich auch körperlich zu schwer war.
Mit 17 Jahren fing ich dann bei der Post als Telegramm-Bote an, wollte da unbedingt den Motorrat - Führerschein machen.
Leider klappte dies nicht, nach Untersuchung vom Arzt bei der Post meinte der ich hätte eine Rot-Grün Farbschwäche und könnte daher kein Führerschein machen.
Also machte ich dann mit 18 Jahren meinen Auto-Führerschein, (Privat, außerhalb der Post) und kündigte bei der Post.
Mit 18 Jahren hatte ich dann meine erste Stelle als Berufs-Kraftfahrer auf einem großen 7,5 Tonnen LKW.
Bei der Post habe ich auch meine Frau R.
* kennen gelernt.
Mit 19 Jahren wurde ich Vater einer Tochter und Heiratete R.
* (mit Zustimmung vom Jugendamt)
Von 18ten bis 23ten Lebensjahr arbeitete ich bei verschiedenen Firmen als Kraftfahrer, machte so viele Überstunden wie es nur geht um mein Traum einer Familie zu verwirklichen. (Vater geht arbeiten, Mutter ist für die Tochter da.) Leider reichte das Geld trotzdem nicht für uns drei und so kam es das ich immer öfter zum Alkohol griff, auch tagsüber, wenn mir die Arbeit zu schwer wurde.
Nach ca. 3 Jahren, ich muss so 22 Jahre alt gewesen sein war es dann soweit. Meine Frau fuhr 2 Tage vor Silvester mal wieder zu ihren Eltern nach K.
*. Sie wollte Silvester rechtzeitig zu Hause sein, da wir viele Leute eingeladen hatten. Am Silvesterabend !! kam Sie dann kurz nach Hause, packte ein paar Kleidungsstücke für sich und die Tochter ein. Dann teilte Sie mir mit das Sie nicht mehr nach Hause kommen wird, und fuhr wieder zu ihren Eltern.
Das ganze passierte ohne Vorwarnung, ohne vorherigen Streit, ohne das ich auch nur ein Verdacht gehabt habe das etwas nicht stimmt.
Das Sie sich schon seit einem ½ Jahr, immer mal wieder, mit einem anderen Mann traf, habe ich erst viel später erfahren.
An dieser Enttäuschung und dem platzen meines Traumes einer heilen Familie bin ich damals fast kaputt gegangen.
Von diesem Zeitpunkt an konnte ich das Leben nur noch mit Alkohol ertragen.
Arbeitete nur immer kurze Zeit bei verschiedenen Firmen als LKW-Fahrer, bis es dann irgendwann nicht mehr möglich war zu arbeiten, da ich ständig betrunken war.
Mit 23 Jahren suchte ich dann das erstemal Hilfe weil ich merkte alleine schaffst Du das nicht mehr, ging zu einem Arzt, der mich sofort ins UKE –H.
* einwies wegen Alkoholvergiftung.
Nach ca. 3 Wochen Entgiftung wurde ich Entlassen.
Danach ging es für ein paar Wochen gut, dann aber kamen immer wieder Rückfälle, mal eine Woche betrunken, dann mit Hilfe von Tabletten (Valium, Tranxilium)) mal ein paar Wochen ohne Alkohol.
So ging es immer weiter, Monat für Monat, Jahr für Jahr.
Mit ca. 28 Jahren, inzwischen in Nervenärztlicher Behandlung dann der absolute Zusammenbruch.
Wieder wochenlang Alkohol und dazu Valium vom Nervenarzt. Dann der Zusammenbruch.
„ die Bilder in meiner Wohnung sprachen mit mir „
„ sah in meiner Wohnung fremde Menschen die mich bedrohten „
Aus Angst muss ich wohl auf die Straße gelaufen sein, wo mich dann Leute im Straßengraben ohne Bewusstsein fanden.
Aufgewacht bin ich dann Tage später im UKE-H.
*Behandlung: Wie bei der ersten Entgiftung, hohe Dosen Distraneurin, die dann langsam abgesetzt wurden, aber unter 3x2 und zur Nacht 3 kam ich nicht, wenn es versucht wurde hatte ich panikartige Angstzustände und zitterte am ganzen Körper.
Nach zwei Monaten wurde ich dann auf eigenen Wunsch entlassen.
Die Ärzte verabschiedeten sich mit der Bemerkung,
„wenn Sie wieder Alkohol trinken, werden Sie denn nächsten Entzug nicht überleben „
Eine Bemerkung die sich in mein Unterbewusstsein eingenistet hat. Und mir in kommenden Jahren immer wieder den Ausstieg vom Alkohol erschwert oder sogar verhindert hat, weil ich immer Angst hatte den Entzug nicht zu überleben.
Von meinem 28-30 Lebensjahr ging es immer auf und ab.
Da ich ja noch nicht frei von Tabletten war ging es nun immer darum
wer verschreibt mir Distaneurin, habe mehrere Ärzte aufgesucht und dadurch immer ein gewisser Vorrat im Hause.
Die Alkoholabstürze wurden jetzt weniger, konnte ja aufhören, nahm dann eben Distraneurin in hohen Dosen 3x4 und zur Nacht 4 –
Versuchte zwar immer die Dosen zu reduzieren aber unter 3x2 – Nacht 3, kam ich einfach nicht.
Gearbeitet habe ich in dieser Zeit, immer unterbrochen von Abstürzen, als freiberuflicher Vertreter für Versicherungen, Staubsauger, ja sogar mal bei einer Heiratsvermittlung.
Frauenbekanntschaften hatte ich immer nur für kurze Zeit.
Krankenversichert war ich diese Zeit überhaupt nicht, also immer Privat-Patient beim Arzt.
1977 inzwischen 30 Jahre alt, habe ich dann meine 2. Frau M.
* kennen gelernt, beim Tanzen im „L.
*“
Wir gingen von da an öfter mal aus, trafen uns immer heimlich da sie ja noch Verheiratet war und auch 2 Kinder hatte auf die wir Rücksicht nehmen mussten.
Als Sie anfing zu fragen ob wir nicht zusammenziehen, hatte ich Ihr erzählt das ich Alkoholabhängig war und noch Tabletten nehme und nicht garantieren kann das alles gut geht.
Das hinderte Sie aber nicht weiter zu drängeln „lass uns zusammen ziehen“
Da es mit meinen Finanzen nicht so gut aussah lies Sie sich die Rente ihrer Unfall-Versicherung auszahlen und wir bezogen eine gemeinsame größere Wohnung.
Ein paar Monate ging mit Hilfe von Tabletten alles gut, dann mein letzter aber heftiger Rückfall in Alkohol und Tabletten. Alkohol trank ich ca. 14 Tage von morgens bis in die Nacht. Dann schickte ich Sie zum Arzt, sie sollte mir Distraneurin besorgen, was Sie auch tat. Nun ging es mit sehr hohen Dosen Distraneurin ein paar Wochen weiter 4 bis 5 mal 4 Distaneurin bis zuletzt 30 oder noch mehr pro Tag.
Als Sie dann mal ein Tag weg war und ich keine Distraneurin mehr hatte, holte ich mir aus der Apotheke eine Packung Dolestan-Schlaftabletten ging nach Hause und nahm eine Menge davon, wie viel es waren weis ich heute nicht mehr, dazu eine ordentliche Menge Schnaps.
Ich wusste es kann so nicht weitergehen, ich wollte auch nicht alles kaputt machen, also rief ich in meiner Not den Unfallwagen und landete wieder im UKE . Da sie kein Platz in normaler offener Station hatten, landete ich in der geschlossenen Unruheabteilung, war mir im Grunde auch egal.
Der Aufnahme-Arzt wollte mich erst nicht aufnehmen. Er glaubte mir die Einnahme der Schlaftabletten nicht ( wunderte sich wohl das ich immer noch bei Bewusstsein war) und die Menge der Distraneurin Tabletten schon gar nicht, das ist unmöglich „seine Worte“ Nach langem hin und her, sagte er dann, wir behalten sie für 3 Tage zur Beobachtung hier, sie bekommen aber keine Tabletten, also harter Entzug. Als ich im sagte das dass für mich sehr gefährlich ist und ich auf gar keinen Fall in ein Delirium fallen darf, meinte er nur, sie sind hier im Krankenhaus und ich weis was ich verantworten kann.
Den Aufnahmetag und die Nacht musste ich mit Panik, Angst, am ganzen Körper zittern überstehen, das betteln beim Pfleger nach einer Beruhigungstablette wurde abgelehnt.
Am Morgen dann auf dem Weg zum Arztzimmer breche ich zusammen, habe Epileptische Anfälle, als ich wieder zu mir komme bekomme ich 6 Distaneurin auf einmal und werde etwas ruhiger.
Der Arzt meinte nun „ Herr
*----- sie können hier bleiben aber nur wenn sie nach der Entgiftung eine Entziehungskur machen“
Jetzt begann die Entgiftung (eine Hölle auf Erden)
1. Tag morgens 3 Distraneurin – Mittags 3 Distraneurin – Abends 3 Distraneurin
2. Tag morgens 0 Distraneurin – Mittags 3 Distraneurin – Abends 3 Distraneurin
3. Tag morgens 0 Distraneurin – Mittags 2 Distraneurin – Abends 2 Distraneurin
4. Tag morgens 0 Distaneurin – Mittags 0 -- wieder Epileptische Anfälle
das Spiel geht von vorne los, nach dem Anfall 6 Distraneurin, danach wieder schnelle Reduzierung des Distraneurin.
Nach zwei Wochen Angst, Panik, und Zittern am ganzen Körper endlich eine Besserung.
Die Besserung trat in einer Nacht ein wo ich mich fragte, willst Du weiter so Leben wie bisher, Betrunken, immer wieder Lügen damit Du die Tabletten bekommst. Nichts unternehmen können, sich immer verstecken damit die Leute nichts merken. Das ist doch kein Leben.
Stehe das hier durch, wenn Du es nicht schaffst zu überleben, hast Du eben Pech gehabt. Vielleicht ist es sogar besser als das Leben das dir sonst blüht.
Ab dieser Nacht, ging es mir von Tag zu Tag etwas besser.
Nach drei Wochen habe ich dann das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen.
Der Arzt war sauer weil ich nicht zur Entziehungskur ging, meinte „ dann sehen wir uns ja in ein paar Wochen wieder“
Dieser Meinung war ich allerdings nicht, denn noch mal wollte ich diese Hölle nicht erleben. Sollte ich noch mal Rückfällig werden, werde ich mich nicht noch mal in ein Krankenhaus einweisen lassen.
Das es schwer werden wird war mir klar, ich wusste, nach Auskunft des Arztes, das jede Tablette für mich gefährlich werden kann ob es sich dabei um ein Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel handelt, nur Baldrian Tabletten könnte ich pfundweise essen „wörtliche Übersetzung des Arztes“
Von nun an ging es langsam bergauf, M.
* hat auf mich gewartet und möchte auch weiterhin mit mir zusammen sein.
Richtig Arbeiten konnte ich anfangs noch nicht, war einfach noch körperlich zu schwach. Mein Gewicht zu diesem Zeitpunkt gerade mal 49Kg !!
Also ging ich Abends über den Sperrmüll, sammelte brauchbare Sachen und verkaufte sie auf dem Flohmarkt.
Der bescheidene Anfang meiner Selbstständigkeit als Trödler.
Ab diesem Zeitpunkt, nach Entlassung aus dem Krankenhaus, habe ich kein Alkohol mehr getrunken, Tabletten nur – Baldrian in hohen Dosen – und das über eine längere Zeit.
Baldrian, durfte ich ja nach Auskunft des Krankenhausarztes pfundweise zu mir nehmen. Aber 4x4Stück am Tag reichten mir.
1978 haben wir dann Geheiratet, auch unser gemeinsamer Sohn D.
* kam 1978 auf die Welt.
1979 dann Start in die Selbstständigkeit. Kaufte mir einen alten LKW und machte Transporte, Haushaltsauflösungen, Entrümpelungen. 1980 dann mein erster Trödelladen in H.
*1982 dann Umzug mit dem Laden nach H.
*.
Es ging bergauf, viel Arbeit, von morgens bis in die Nacht aber es machte Spaß.
Jedes Jahr fuhren wir mit dem Auto in Urlaub nach Spanien, Italien, Dänemark.
Bezogen eine Neubauwohnung in „M.
*“
1988 hat meine Frau ihren eigenen Trödelladen in H.
* eröffnet.
Haben also zu dieser Zeit 2 Läden + ein Transportunternehmen, sind beide Privat Krankenversichert.
Mein Hobby ist zu dieser Zeit das Segeln, erst ein Schlauchboot mit Motor, dann eine Jolle, später ein kleines Kajütsegelboot.
Alkohol und Tabletten (auch Baldrian) sind schon lange kein Thema mehr.
1989 dann die Katastrophe, bin dahintergekommen das meine Frau ein Verhältnis mit einem Kunden in ihrem Laden angefangen hat, einem Alkoholiker der noch voll drin war.
Die Versuche die Ehe noch zu retten gingen schief, da sie sich immer wieder heimlich mit im traf.
Als ich merkte das dass nichts mehr werden kann bin ich zu einem Freund gezogen, nur ein paar Kleidungsstücke und mein Segelboot habe ich mitgenommen.
Nach 11 Jahren absoluter Trockenheit meldete sich der Alkohol zurück.
Der Freund zu dem ich gezogen bin hatte auch Alkoholprobleme. So dauerte es nicht lange und ich trank auch wieder Alkohol, mal mehr und mal weniger.
Das Segelboot verkaufte ich, meinen Laden in H.
* gab ich auf, hatte für beides keine Lust mehr.
Machte jetzt nur noch Haushaltsauflösungen und Flohmärkte.
Nach drei bis vier Monaten zog ich wieder bei meinem Freund aus.
1990 habe mir in H.
* einen kleinen Laden mit Wohnung gemietet und versuchte neu zu starten.
Der Laden war nur nachmittags geöffnet, wenn ich wegen Haushaltsauflösungen unterwegs war machte meine Mutter den Laden.
Den Alkohol hatte ich einigermaßen im Griff, Tabletten nur Baldrian, aber alle 3 Monate bin ich für 1 Woche abgestürzt. War irgendwie nicht glücklich trotz etlicher Frauenbekanntschaften.
Am 15.Mai 1992 lernte ich dann meine jetzige Lebenspartnerin R.
* kennen, wieder im L.
* beim Tanzen.
Der Anfang war nicht leicht, ich wollte mich eigentlich nicht mehr verlieben, schon gar nicht mit jemand fest verbunden sein,
„wird man doch nur enttäuscht“, so kam es das ich zu einigen Treffen nicht gegangen bin. R.
* aber lies sich nicht abweisen, besuchte mich sogar auf dem Flohmarkt in L.
* wo ich angeblich sehr abweisend gewesen sein soll.
Tage später, ich war schon wieder eine Woche unter Alkohol, stand Sie auf einmal vor der Tür und wollte mich besuchen. Mutter sagte ihr ich sei krank, Sie bestand jedoch darauf mich zu sehen.
Der Anblick den Sie zu sehen bekam, überall Bierdosen, ich ungewaschen im Bett, hätte Sie eigentlich schockieren müssen.
Aber nein, Sie blieb bei mir, ich trank noch 1 oder 2 Bier und hörte dann aber noch in der selben Nacht auf Alkohol zu trinken.
Die nächsten Tage waren nicht leicht aber mit ein paar Baldrian-Tabletten habe ich sie überstanden.
Es ging wieder aufwärts, Sie zog zu mir in die Wohnung, machte nachmittags den Laden und am Wochenende gingen wir auf den Flohmarkt Sachen verkaufen.
Der Alkohol war wieder weg, ich brauchte in nicht mehr, war wieder glücklich eine liebe Lebenspartnerin gefunden zu haben.
Wir machten schönen Urlaub in Österreich, Italien, an der Ostsee, gingen öfters Tanzen, manchmal sogar auf der Rückfahrt vom Flohmarkt.
Die Geschäfte liefen gut, so das wir 1999 noch ein Trödel-Lager in B.
* eröffneten, in dem wir nur Freitags und Sonnabends verkauften.
Auch eine 2. Wohnung in B.
* haben wir uns angeschafft.
Mutter hat in dieser Zeit den Verkauf in unserem Laden in H.
* übernommen, wenn wir nicht in H.
* waren.
2000 dann die ersten finanziellen Schwierigkeiten. Mutter ist an Brustkrebs erkrankt, wird operiert. Wir haben dann für Sie ein Zimmer in einem Altenwohnheim in B.
* gefunden und Sie zog dahin. 2002 wurden dann Metastasen in der Bauchspeicheldrüse gefunden, an denen Sie dann auch 2002 gestorben ist.
Der Tot meiner Mutter hat mich doch sehr getroffen. Habe bis heute ein schlechtes Gewissen. Der Grund: ich bin nicht bis zu Ihrem Ende an Ihrem Bett geblieben, habe Sie also im Stich gelassen.
Ich konnte aber den Anblick wie Sie so in ihrem Bett lag, nur noch röchelte ohne Bewusstsein, nicht länger ertragen.
Wir sind dann nach Hause gefahren, Std. später rief dann die Schwester vom Altenwohnheim an um uns mitzuteilen das Mutter verstorben ist.
Auf Ihrer Beerdigung habe ich sehr geweint und mich gleichzeitig geschämt.
Durch mein schlechtes Gewissen, traue mich bis heute nicht an Ihr Grab, noch nicht mal in die Nähe von B.
*Da nun schon seit längerer Zeit die Hilfe von Mutter im Geschäft weggefallen ist und wir alleine nicht gleichzeitig in H.
* und B.
* sein konnten, gaben wir alles in B.
* auf. (mein schlechtes Gewissen hat diesen Entschluss natürlich unterstützt )
Ab 2002 ging es dann nach Einführung des Euros mit dem Geschäft immer mehr bergab.
Inzwischen 55 Jahre alt, wurden mir Entrümpelungen, Räumungen, Haushaltsauflösungen körperlich zu schwer und ich bin auf Ankauf umgestiegen. Habe Ankauf - Anzeigen in Zeitungen geschaltet, auf Versteigerungen eingekauft.
Alles nutzte nichts, es ging immer weiter finanziell bergab, Räumungen die ordentlich Geld gebracht hätten, konnte ich wegen körperlichen Beschwerden nicht mehr machen.
Als dann durch Mietrückstände 2005 die Räumungsklage kam, war ich am Ende.
Musste, was ich mein ganzes Leben versucht habe zu vermeiden auf Hilfe von anderen hoffen.
Wieder ging ein Traum zu Ende.
Ende 2005 bin ich dann zum Sozialamt gegangen und habe ihnen von meinen Schwierigkeiten erzählt.
Die Antwort wörtlich: wir helfen ihnen nur wenn Sie ihre Selbstständigkeit ganz aufgeben ! also Harz4 Empfänger werden.
Als ich dies hörte hatte ich Mühe nicht in Tränen auszubrechen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich wollte doch nur Hilfe die Räumungsklage abzuwenden. Ich wollte doch weiter für meinen Lebensunterhalt sorgen und kein Harz4 Empfänger sein.
Da mir nichts anderes übrig blieb, meldete ich mein Gewerbe notgedrungen ab und das Amt übernahm die Mietrückstände, die laufende Miete und wir bekommen seitdem monatlich Hilfe zum Lebensunterhalt.
Genau das was ich nie wollte ist eingetroffen, bin ab jetzt auf das wohlwollen des Amtes (anderer Menschen) angewiesen.
Nach langem hin und her hat mir das Amt dann erlaubt wieder selbstständig zu arbeiten. Da ich aber kein Startkapital habe dauert es unendlich lange wieder von Harz4 ganz wegzukommen.
Unseren Lebensunterhalt verdienen wir heute zum großen Teil wieder selbst aber für die Miete oder um ein ordentliches Auto zu kaufen reicht es leider immer noch nicht.
An Positives kann ich abschließend nur sagen,
seit 18 Jahren kein Tropfen Alkohol und keine Tabletten, trotz der finanziellen Schwierigkeiten und meine Partnerin hält weiter zu mir.
Wie es sonst weiter gehen soll weis ich leider noch nicht.
Heute leide ich unter den verschiedensten gesundheitlichen Beschwerden.
Nach Arztauskunft wohl alles Psychisch bedingt (Schwindel, Angstgefühle, Übelkeit, Blutdruckschwankungen, Sehstörungen usw.)
Das gemeine ist, wie ich die Sucht in den Griff bekomme habe ich gelernt, wie ich diese Psychischen Störungen in den Griff bekomme leider noch nicht.
Würde mich freuen wenn mein Beitrag in irgend einer Weise hilfreich war.
Es grüßt Euch Wolfgang aus Hamburg
Ps. Entschuldigt evtl. Rechtschreibfehler, bin Trödler, kein Schriftsteller.
*
Anmerkung: Diverse Namensangaben entfernt. Bitte auf ausreichend Anonymität achten. (Hinweis + Lesetipp "Fußschritte")