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 Betreff des Beitrags: Habe ich Depressionen? Weiß nicht wohin
BeitragVerfasst: 5. Feb 2010, 03:46 
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Registriert: 5. Feb 2010, 03:31
Beiträge: 3
Erstmal Hallo an alle hier!

Ich habe mich gerade hier angemeldet, da ich langsam nicht mehr weiter weiß und hoffe, hier etwas Rat zu finden.

Ich vermute seit einiger Zeit (ca. 1 bis 1,5 Jahre), dass ich an Depressionen leide. Ich fühle mich fast immer traurig, lustlos, müde, wertlos, bin wahnsinnig schnell beleidigt, werde sehr schnell sauer, geradezu rasend, fühle mich ungeliebt, bin unsicher, schlafe wahnsinnig schlecht, heule wegen jeder kleinigkeit, habe viel Kopfschmerzen etc. etc. etc. Diverse Male hat mich das Thema Selbstmord beschäftigt, passive Todeswünsche tauchen des öfteren auf. Ich muss dazu sagen, dass ich zwei Katzen habe, an denen ich mehr hänge, als an allem andren und ich deshalb niemals etwas in diese Richtung tun würde, denn "ich kann sie ja nicht alleine lassen" - es mag blöd sein, aber für mich sind sie wie Kinder und halten mich "bei der Stange".

All das besteht mehr oder weniger stark ausgeprägt eigentlich fortwährend. Taucht eine kleine Sache auf, die mich beschäftigt/belastet, verstärkt sich das alles immens.

Bisher bin ich zu keinem Arzt gegangen, da ich nicht wüsste, wohin. Meine Hausärztin ist meine ehemalige Chefin und daher nicht die richtige Person dafür denke ich. Und zu einem fremden Arzt gehen? Bei jemand fremden erstmals hereinschneien und in den Raum stellen man hätte Depressionen??

Ich weiss nicht inwiefern diese Internet-Tests aussagekräftig sind, aber ich denke eine gewisse Tendenz wird zu erkennen sein. Ich habe schon ein paar mal einen "Gold-Test", so ähnlich hieß er, gemacht und jedes mal kam eine schwere Depression heraus.

Ich habe keine Ahnung, wohin ich mich wenden soll, wie ich Vertrauen haben soll in "irgendeinen" Arzt, mit wem ich sprechen kann (Eltern sind keine Option, sie würden sich zu sehr sorgen, Partnersituation ist derzeit - evtl. auch aufgrund meiner "Probleme" - alles andre als stabil, also auch nicht richtig, beste Freundin traue ich mich nicht). Ich fühle mich wahnsinnig alleine mit meinem Problem und habe immer mehr Angst davor, dass es schlimmer wird, denn in den letzten 1 bis 1,5 Jahren hat sich alles noch zugespitzt.

Wie machen es andere, die keinen "Arzt des Vertrauens" haben, was, wenn nicht meine Depression mich beeinträchtigt, sondern Lebensumstände meine Trauer, Wertlosigkeitsgefühle etc. hervorrufen? Was denkt ein Arzt, wenn ein "Fremder" kommt, meint, eine Depression zu haben und evtl. ist es dann gar keine? Gedanken ohne Ende, keine Lösung in Sicht und Angst, sich jemand Fremden oder dem Falschen anzuvertrauen...

Danke fürs Lesen und liebe Grüße vom Julchen


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 Betreff des Beitrags: Re: Habe ich Depressionen? Weiß nicht wohin
BeitragVerfasst: 5. Feb 2010, 06:04 
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Beiträge: 6613
hallo julchen,

und willkommen bei uns :)

den verdacht zu haben, schon eine längere zeit eine depression zu haben, ist auf alle fälle ein guter grund, dich an jemanden zu wenden !

das kann zb deine hausärztin sein (die bisherige oder eine neue), ein psychiater oder eine psychologische beratungsstelle.
facharzt für depressionen ist der psychiater. er kann zb auch abklären, ob es einen organischen grund hat.
je nach hausarzt kann einem auch der hausarzt schon sehr gut weiterhelfen, aber hausärzte sind nun mal eher allgemeinmediziner und genauso wie ein orthopäde der spezialist für knochenbrüche ist, ist ein psychiater spezialist für 'seelenbrüche'.
eine psychologische beratungsstelle kann dich beraten, dir adressen geben, fragen klären und dich unterstützen, wenn du magst.

Zitat:
Angst, sich jemand Fremden oder dem Falschen anzuvertrauen...

scheint mir extrem ausgebildet zu sein bei dir.
hast du eine ahnung, weshalb ?
evtl schlechte erfahrungen gemacht ?

du scheinst dich schon unheimlich in dich zurückgezogen zu haben, daß du nicht mal mit deinem partner, deiner besten freundin oder deinen eltern darüber sprechen kannst.
was befürchtest du, wenn du es zb bei deiner besten freundin ansprichst ?

Zitat:
Meine Hausärztin ist meine ehemalige Chefin und daher nicht die richtige Person dafür denke ich.

teils verstehen kann, teils auch nicht. sie ist eine ganz normale ärztin und inzwischen nicht mehr deine chefin.
wie gut dein draht zu ihr ist, weiß ich nun nicht - allerdings würde ich dann ohnehin mal überdenken, was für einen sinn es macht, sie als deine hausärztin zu haben, wenn du dich nicht traust, hinzugehen, wenn du krank bist.
und depression ist eine krankheit.

Zitat:
Und zu einem fremden Arzt gehen? Bei jemand fremden erstmals hereinschneien und in den Raum stellen man hätte Depressionen??

warum nicht ?
alle menschen kommen irgendwann zum ersten mal zu einem für sie erstmal fremden arzt und haben ein anliegen, weil sie sich krank fühlen. das ist normal.

Zitat:
Ich fühle mich wahnsinnig alleine mit meinem Problem

kann ich verstehen. so wie du es beschreibst, bist du auch gerade ziemlich alleine damit - aber nicht, weil es keine hilfe gäbe, sondern weil du aus irgendwelchen dir wichtigen gründen solche angst hast, jemandem zu vertrauen und um hilfe zu bitten.

Zitat:
Wie machen es andere, die keinen "Arzt des Vertrauens" haben, was, wenn nicht meine Depression mich beeinträchtigt, sondern Lebensumstände meine Trauer, Wertlosigkeitsgefühle etc. hervorrufen?

das wäre nichts ungewöhnliches. sehr oft sind es die lebensumstände, die man zu lange aushält, nichts dagegen unternimmt und genau deswegen dann eine depression bekommt.
genauso kann es auch andersrum sein, daß eine depression einem das leben und führen von beziehungen, aufrecht erhalten von kontakten immer schwieriger macht.
was nun für dich zutrifft, mußt du gar nicht wissen, erstmal geht es nur darum, daß du hilfe bekommst und in behandlung kommst. dann kommt eins nach dem anderen.

wenn es dir schwer fällt, darüber zu sprechen, könntest du es zb auch wie hier machen : schreibe deine gedanken auf und gebe diese notizen dem arzt. manchen fällt das leichter.

wichtig finde ich aber vor allem, daß du überhaupt etwas unternimmst. depression ist meist am besten und schnellsten zu heilen, wenn man möglichst früh etwas unternimmt.
sich hilfe zu holen ist zwar anstrengend, kostet kraft, man hat viele zweifel und ausreden, daß es einem evtl doch nicht so schlecht geht, usw - im endeffekt wird es dadurch aber nicht besser. es wird meist nur immer schlimmer, raubt mehr kraft, so daß das hilfe holen immer schwieriger wird.
darum überwinde dich, geh zum arzt und mache dort deutlich, wie schlecht es dir geht. der arzt kann dir auch nur helfen, wenn du ihm erklärst, was los ist.

schon heute könntest du noch einen termin ausmachen für nächste woche - oder gleich hingehen :)
versuch es, julchen !
du kannst nichts dafür, wenn du krank bist.

viele grüße, yks


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 Betreff des Beitrags: Re: Habe ich Depressionen? Weiß nicht wohin
BeitragVerfasst: 5. Feb 2010, 14:08 
Hallo, Julchen!

Dass du dich den Leuten in diesem Forum anvertraust, ist wirklich schonmal ein guter Anfang!

Dass du schon so lange leidest, ist wirklich schlimm. Ich weiß, es ist sehr schwer, aber du solltest dich deinem Partner, deiner besten Freundin oder deinen Eltern anvertrauen. Ich habe das bis vor kurzem nie in meinem Leben gemacht und ich fand, dass es sehr befreiend war. Dadurch ist das Verhältnis zu meiner Familie und zu einigen Freunden viel viel stärker geworden als vorher, was mir tatsächlich viel Kraft gibt.

Ich empfehle dir, das wirklich zu tun. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dir irgendwer das übel nehmen würde. Ich hab mir das auch vorgestellt und Angst gehabt, im Endeffekt war es überhaupt nicht nötig. Im Gegenteil, alle haben Verständnis gezeigt und wollen mir jetzt helfen, so gut es geht. Und oftmals ist man dann überrascht, wie viele Andere auch solche Probleme haben und man nicht alleine ist... selbst in der eigenen Familie.

Wenn man sich einmal überwunden hat, dann funktioniert das auch. So erlebe ich es jedenfalls. Ich habe kaum noch Probleme, jemandem meine Gefühle zu schildern. Ok, ich binde es nicht jedem auf die Nase, aber den engsten Vertrauten schon. Und lass dir gesagt sein, dass denen das auch hilft, wenn sie wissen, was mit dir los ist.

Ich habe, als es mir extrem schlecht ging, mehrere A4-Seiten vollgeschrieben mit dem, was ich denke, wie ich die Situation einschätze und was ich glaube, was mich belastet und beschäftigt. Das habe ich dann dem Psychotherapeuten gegeben, als mich mein Hausarzt dort hingeschickt hat. Dass du dir das Geschriebene ausdenkst, wird niemand glauben und du wirst sehen, dass man dich damit ernst nehmen wird.
Es ist oft schwierig, das mit den eigenen Worten alles direkt zu beschreiben, daher war das Schreiben eine gute Lösung, denke ich. Momentan schreibe ich auch sowas wie ein Tagebuch, wo ich fast täglich hineinschreibe, was mich bewegt. Ich glaube, das hilft. Vielleicht kannst du das auch versuchen.

Wende dich an deine Hausärztin, sie kennt dich und wird dir glauben. Sie wird vermutlich sowas wie Erschöpfungssyndrom, Überlastungssyndrom etc. auf die Überweisung schreiben und dich gewiss zu einem/einer Therapeuten/Therapeutin schicken, damit der/die sich deiner annimmt und eine erste Diagnose stellen und auch eine Therapie einleiten kann.

Es kostet sehr viel Kraft, eine Fassade aufrechtzuerhalten. Ich weiß das.
Versuche, diese Fassade einzureißen. Das ist meine Bitte an dich.

Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, wenn du uns auf dem Laufenden hältst. :)

Liebe Grüße,
Pierre


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 Betreff des Beitrags: Re: Habe ich Depressionen? Weiß nicht wohin
BeitragVerfasst: 6. Mär 2010, 09:25 
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Registriert: 5. Feb 2010, 03:31
Beiträge: 3
Hallo ihr beiden und vielen Dank für eure Antworten!

Es tut mir leid dass ich so lange gebraucht habe um wieder reinzuschauen und zu schreiben. Vielleicht gehört auch das zu meinem Problem, mich aufzuraffen, etwas nicht zu vergessen etc.

Nun, auf jeden Fall wollte ich euch schreiben, dass ich am Dienstag einen Termin bei einer Ärztin habe, die, wie ich glaube, genau richtig für mein "Problem" ist. Ich möchte jetzt am Wochenende einen Zettel schreiben mit allen Sachen, die ich denke nicht in Ordnung sind und zu meinem Problem gehören und falls ich es nicht rausbringe werde ich ihn ihr geben.

Zudem habe ich (seit 6 Jahren nicht mehr möglich gewesen) Urlaub geplant im Juli, vielleicht tut mir sowas dann auch mal gut. Aber primär schaue ich mal, was die Ärztin am Dienstag so sagt...

Ich werde mich dann wieder melden und Bescheid geben...hoffentlich kann ich mich dann etwas früher dazu "prügeln" :-)

Herzliche Grüße vom Julchen


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 Betreff des Beitrags: Re: Habe ich Depressionen? Weiß nicht wohin
BeitragVerfasst: 8. Mär 2010, 18:49 
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Registriert: 20. Jul 2007, 13:18
Beiträge: 3192
Hallo Julchen,

alles Gute für Morgen - und vergiss den Zettel nicht ;-)
Das erste Mal ist immer schwierig sich alles von der Seele zu reden, aber Du wirst sehen, es hilft.

Lieben Gruß, eule

_________________
Am Abend wird man klug für den vergangenen Tag, doch niemals klug genug für den, der kommen mag. (Friedrich Rückert)


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 Betreff des Beitrags: Re: Habe ich Depressionen? Weiß nicht wohin
BeitragVerfasst: 10. Apr 2010, 17:31 
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Registriert: 5. Feb 2010, 03:31
Beiträge: 3
Hallo an alle hier!

Mittlerweile bin ich ein gutes Stück weiter, war bei der Ärztin, habe ihr alles erzählt und wurde dann zur Psychotherapeutin überwiesen. Die Empfohlene war am Telefon total gereizt und unfreundlich, habe mich dann an eine gewandt die ich aus meiner Zeit in der Praxis noch wusste und war gestern dann endlich dort zum Vorgespräch. Naja, viele Tränen und langes Erzählen später meinte sie dass sie sich vorstellen kann dass es mit uns passt und ich fühlte mich auch wohl dort. Also habe ich am 29.04. wieder einen Termin.
Dann will sie auf die einzelnen Themen die wohl "brodeln" eingehen.
In der Zwischenzeit hat sie mir Tipps gegeben, wie ich mit meinen "Ausbrüchen" mit Heulen und Aggressionen halbwegs umgehen kann, aus der Situation in dem Moment rausgehen kann, was ich allerdings noch üben muss, hat mir empfohlen regelmäßig zu joggen, was ich gestern gleich getan habe (auf anhieb 4 km, davon 3 gelaufen und 1 gegangen) und mir ein Buch (Achtsamkeitstraining) empfohlen.
Ich hoffe dass dann alles besser wird, werde auf jeden Fall alles umsetzen soweit möglich und bin schon gespannt auf den nächsten Termin dort...

Fühle mich schon entlastet dadurch dass ich weiss dass mir jetzt jemand hilft.

Danke an euch für's "in die richtige Richtung schubsen" :-D

Liebe Grüße vom Julchen


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