Mundgeruch ist nach wie vor ein Tabuthema. So fällt es den wenigsten Menschen leicht, sich mit anderen darüber auszutauschen. Es zeigt sich immer wieder, dass viele aus falsch verstandener Rücksichtnahme lieber darauf verzichten, Freunde oder Bekannte darauf hinzuweisen, dass ihr Atem übel riecht. Dabei wäre Betroffenen mit einer gewissen diesbezüglichen Offenheit sehr geholfen. Eben dieses Tabu kann für Betroffene selbst zu einer echten Belastungsprobe werden. So ist diese Tabuisierung nicht selten sogar der Grund für viele Männer und Frauen, die der Ansicht sind, selbst unter Mundgeruch zu leiden, möglichst keine Hilfe in Anspruch nehmen zu wollen. Sie empfinden es als unangenehm, peinlich und beschämend, diese Thematik im sozialen Umfeld anzusprechen. Statt dessen ziehen sie es vor, sich mehr und mehr zurückzuziehen, um andere nicht mit ihrem Mundgeruch zu belasten oder sie gar abzustoßen. Die Folgen einer solchen Vorgehensweise können insbesondere für die Psyche verheerend sein.

Mundgeruch kann vielfältige Ursachen haben. Meist sind harmlose Faktoren Auslöser für übel riechenden Atem. Nicht immer muss sich aber eine Erkrankung dahinter verbergen. Das Problem ist nur, dass Mundgeruch nur von anderen bemerkt wird. Betroffene selbst wissen oftmals gar nicht, dass sie aus dem Mund „duften“. Dann wiederum gibt es allerdings die Menschen, für die Mundgeruch per se zu einem schwerwiegenden psychischen Problem werden kann. In der Tat sind sie fest davon überzeugt, an Mundgeruch zu leiden. Selbst dann, wenn dies nicht der Fall ist: Weder die Menschen in ihrem sozialen Umfeld, noch ihr Arzt des Vertrauens kann Mundgeruch bei ihnen feststellen. Es kann sogar so weit kommen, dass sich ihre tief verwurzelte Überzeugung so weit ausprägt, dass sie Teil einer krankhaften Wahrnehmungsstörung wird. Hier spricht man von einer so genannten Halitophobie oder der Pseudo-Halitosis. Derartige psychische Störungen sind nur im Rahmen einer gezielten psychologischen Therapie heilbar.

Besonders belastend ist Mundgeruch, der durch schwer behebare Erkrankungen wie Mandelsteine (Quelle) oder Magenerkrankungen verursacht werden. Hier hilft auch „normale“ Mundhygiene nicht weiter.

Die Auswirkungen von Mundgeruch

Menschen ohne eine solche psychische Störung, die über lange Zeit an Mundgeruch leiden, laufen ebenfalls über kurz oder lang Gefahr, an einer Psychose zu erkranken. So kommt es bei Betroffenen häufig vor, dass sie sich sukzessive von der Außenwelt zurückziehen und ihre sozialen Kontakte mehr und mehr aufgeben. Selbst Partnerschaften werden auf diese Weise erheblich belastet.

Psychische Belastung kann auch körperlich krank machen

Typisch für Menschen, die sich ihres schlecht riechenden Atems bewusst sind ist, dass sie sich innerlich buchstäblich verschließen. Sie öffnen ihren Mund bzw. sie sprechen nur noch mit Menschen, wenn diese in einer ausreichenden Entfernung stehen. Also in einer Distanz, die von den Betroffenen selbst als erträglich empfunden wird. Oftmals versuchen sie beim Sprechen, ihre Hand oder gar ein Taschentuch vor den Mund zu halten. Diese Bewegung geht mit der Zeit „in Fleisch und Blut“ über, was zu einer beträchtlichen Einschränkung der persönlichen (Bewegungs-)Freiheit führen kann. Auch dieser Aspekt trägt mehr und mehr dazu bei, dass sich Betroffene immer weiter in ihr „Schneckenhaus“ zurückziehen.

Innerhalb einer bestehenden Partnerschaft wird es schlimmstenfalls geradezu unmöglich, Küsse auszutauschen oder Sex zu haben. Man greift verstärkt zu Mundwässern, -deodorants und weiteren Hilfsmitteln, die den unangenehmen „Mief“ übertünchen sollen. Kaugummikauen wird zum täglichen Standard, und auch Pfefferminzbonbons etc. sind tägliche Begleiter. Ohne diese „Hilfsmittel“ fühlen sich an Mundgeruch leidende Menschen oftmals nicht einmal mehr sicher, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. All diese Aspekte stellen demnach eine schwerwiegende Konsequenz für den Alltag sowie insbesondere mit Blick auf die Lebensqualität dar.

Ein Rattenschwanz mit Folgen

Wer unter schlechtem Atem leidet, fühlt sich darüber hinaus meist sogar „minderwertig“. In der Tat kann chronischer Mundgeruch mit einer erheblichen Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls einhergehen. Es wird für Betroffene immer schwieriger, sich frei und unbeschwert zu bewegen oder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Meist geht dieses Empfinden sogar so weit, dass sie es mit der Zeit als immer weniger sinnvoll erachten, sich selbst etwas Gutes zu tun. Fakt aber ist, dass solche kleinen „Belohnungen“ oder „Highlights“ grundsätzlich einen positiven Einfluss auf die Persönlichkeit eines Menschen haben und der Seele gut tun. Gesetzt den Fall, dass es jedoch auch diesbezüglich mangelt, dreht sich die Abwärtsspirale sukzessive weiter.

Die Tatsache, dass man sich weitgehend aus dem sozialen Umfeld abgrenzt, ist oft der Grundstein dafür, dass die Psyche noch mehr leidet. Der Mensch an sich ist nun einmal dafür ausgelegt, sich mit anderen auszutauschen. Hat er sich jedoch unfreiwillig dafür entschieden, ein Leben als „Einzelgänger“ fristen zu wollen, um andere mit seinem Mundgeruch nicht zu belasten, dann nagt all dies zusätzlich am Selbstwertgefühl. Traurigkeit und Depressionen sind die häufig damit einhergehende Konsequenz. Wie die Erfahrung ebenfalls deutlich macht ist, dass Personen mit starkem Selbstwertgefühl vergleichsweise locker damit umgehen, wenn sie selbst an Mundgeruch leiden. Grundsätzlich wirkt sich ein gutes Selbstbewusstsein folglich positiv aus, wenn es darum geht, psychische Beeinträchtigungen aufgrund eines chronisch übel riechenden Atems zu vermeiden.

Fazit

Mundgeruch kann in der Tat zu einem echten psychischen Problem werden. Dabei sind die Ursachen häufig eher lapidarer Natur. Es lohnt sich mit Blick auf die Verbesserung der Lebensqualität somit unbedingt, rechtzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.